«Und führe uns nicht in Versuchung» (Unser Vater, Teil 7)

Shownotes

Mit «Versuchung» ist nicht in erster Linie die Verlockung zu moralischen Sünden gemeint, etwa ungesundem Essen, Untreue oder dummen Kaufentscheiden. Sondern die Trennung von Gott – und deshalb könnte man auch beten: «Lass mich bitte nicht alleine, Gott.» Warum, erkläre ich in dieser Podcastfolge!

➡️ Was kommt dir zum Thema Versuchung in den Sinn? Schreib’s mir auf contact@reflab.ch, kommentier auf reflab.ch oder auf dem RefLab-Instagram-Kanal! 💬

Diese Podcastfolge gibt's auch in Form eines Blogartikels bei reflab.ch und als Video auf dem RefLab-Instagram-Kanal. Im Blogartikel findest du auch Literaturhinweise, falls du dich weiter damit beschäftigen möchtest. Den Text zu Jannas Meditation kannst du ebenfalls nachlesen:

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zurück am Lagerfeuer. Wir sind mitten in der Serie zum

00:00:04: unser Vatergebet bzw. neigen uns hier schon ein bisschen dem Ende zu

00:00:08: dieses bekannten Gebet. Heute geht es um die Zeile "Führer uns nicht in

00:00:12: Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen" wieder ein Gebet, eine Zeile die

00:00:17: Sprengstoff enthält, denn es geht hier um das Verhältnis von Gott zu dem, was hier

00:00:21: das Böse genannt wird. Und am Ende dieser Podcastfolge wie immer in dieser

00:00:27: Serie auch eine Meditation von meiner RefLab-Kollegin Jana Horstmann. Schön, dass

00:00:31: du wieder dabei bist.

00:00:34: "Under frei im Himmel" das Lagerfeuer für Nomadenkristin.

00:00:41: "Führer uns nicht in Versuchung" das ist die einzige negativ formulierte Bitte im

00:00:55: unser Vatergebet und es gibt auch die These, dass dieser Bitte später hinzugekommen

00:00:59: ist. Zum einen deswegen, weil sie eben so dem negativen auch den Bösen mehr Raum

00:01:05: gibt als das in den vorherigen Bitten der Fall ist, wo der Blick auf Gott

00:01:09: gerichtet ist, wo der Blick auf die Versorgung und das Vertrauen gerichtet

00:01:13: wird. Und hier legt ja die Formulierung schon fast ein bisschen nahe, dass Gott die

00:01:18: die Macht ist, die uns ins Böse führt oder zumindest in die Versuchung zum

00:01:23: Bösen führt. Das ist ein Spannungsfeld, das hier aufgemacht wird. Und zum einen

00:01:28: auch die sprachliche Formulierung mit dem Und, das ist die einzige Bitte, die mit

00:01:32: einem Und beginnt und auch den Nachsatz, sondern erlöse uns von dem Bösen.

00:01:36: Ist eine sehr lange Bitte, wenn man die vorherigen anschaut. Deswegen diese These,

00:01:42: es geht hier um das Bild, das man von Gott hat. Führt einen Gott aktiv in

00:01:47: Versuchung. Stellt einen Gott aktiv manchmal auf die Probe. Die meisten

00:01:52: Theolog*innen sagen Nein und wir werfen hier wie immer einen Blick in die

00:01:58: Bibel.

00:02:01: Das Thema Versuchungen und Prüfungen kommt immer wieder vor. Der Bekannte ist

00:02:07: natürlich der Job, dessen ganze Geschichte sich darum dreht, dass sein

00:02:11: Glaube auf die Probe gestellt wird. Gott lässt zu, dass dem Job seine Familie,

00:02:15: sein Hof, seine Tiere, sein Reichtum weggenommen wird, seine Gesundheit auch

00:02:19: umzuschauen, ob er dann Gott abschwört. Das ist die ganze Story dieser Geschichte.

00:02:25: Dann haben wir zum Beispiel auch Abraham dessen Glaube hier tatsächlich. Da

00:02:30: steht er so. Gott stellt ihn und seinen Glauben auf die Probe. Er befiehlt ihm seinen

00:02:36: Sohn zu opfern und greift dann im letzten Moment ein. Und dann gibt es natürlich

00:02:41: auch die Geschichte der Versuchung von Jesus. Da gibt es die Erzählung, dass

00:02:45: Jesus vom Teufel auf dem Sardin auf einem Berg geführt wird und da wird

00:02:50: ihm alle Reichtum und alle Macht, die er eigentlich hätte vor Augen geführt, wenn

00:02:54: er denn diese Macht nur demonstriert, wenn er auf die Anliegen und die Anfragen des

00:02:59: Teufels eingehen würde. Und Jesus wieder steht, aber eben man kann hier sagen,

00:03:03: Jesus, der das Vater uns erlärt, dieses Gebet spricht hier aus eigener Erfahrung.

00:03:09: Eine Versuchung jetzt im positiven Sinne war es nur bei Jesus. Also im positiven

00:03:14: Sinne meine ich, dass man in Versuchung geführt wird, dass etwas einen

00:03:18: anlockt, etwas anzieht und man deswegen dann dem, woran man eigentlich glaubt und

00:03:25: treu wird. Und sonst sind es immer Versuchungen eigentlich im negativen

00:03:29: negative Dinge, trotz denen dann die Person immer noch Gott vertraut. Es gibt

00:03:35: auch einige sonstige Bibelstellen im neuen Testament, die sich mit dem Leben einer

00:03:39: gläubigen Person befassen und mit dem Thema Versuchung oder Glaubensprüfung. Im

00:03:45: Lukas Evangelium sagt Jesus selber, die Menschen sollen beten, dass sie nicht in

00:03:48: Versuchung geraten. Deswegen passt eigentlich diese Zeile des Vater

00:03:53: unsers auch gut dazu. Dann gibt es eine Stelle im ersten

00:03:57: Korintherbrief, wo steht, dass Gott nicht zulässt, dass gläubige Menschen über

00:04:01: das Erträgliche hinaus versucht werden. Und im Jakobusbrief steht sogar Gott

00:04:07: führe niemanden in Versuchung, sondern man gerade in Versuchung allein aus

00:04:11: menschlichen, aus persönlichen Begierden. Und dann aber auch noch dort und auch im

00:04:17: ersten Petrusbrief durch Prüfung wird der Glaube stark und bewährt sich. Also da

00:04:21: wird das wird als Zusage formuliert an Menschen, die sich gerade als geprüft

00:04:26: empfinden, die sich da als mittendrin empfinden.

00:04:32: Ich merke hier schon, es gibt wie zwei verschiedene Arten von Versuchung zu

00:04:38: sprechen. Darauf komme ich später noch mal. Das eine ist so die Verlockung, neben

00:04:42: Gott untreu zu werden, wenn man so sprechen möchte und das andere ist die

00:04:46: Glaubensprüfung, die Krise, die schwierige Lebenssituation, die einen dazu bringen

00:04:51: könnte, die Existenz eines liebenden Gottes zu hinterfragen.

00:04:55: Jemand habe mich im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, dass wir von Gott

00:04:59: aus dem guten Hirten sprechen, der seine Schafe zu blühenden Weiden führt und

00:05:05: ein frisches Wasser. Also Gott führt zum Guten, Gott führt nicht in die

00:05:09: Versuchung. Ja, das ist einfach ein paar Hinweise. Es gibt eine Alternative, die

00:05:14: sogar Papst Franziskus begrüßt und zwar überlass uns nicht der Versuchung. Also

00:05:20: Gott lasst uns nicht in Versuchung geraten. Das ist etwas passiver. Gott ist

00:05:25: dann nicht derjenige, der die Versuchung herbeiführt, sondern derjenige, der

00:05:29: verhindern kann, dass man hineingerät. Papst Franziskus hat erlaubt, dass man

00:05:34: diese Übertragung verwendet, diese Übersetzung verwendet und mehrere

00:05:38: Sprachregionen haben, dass unser Vater daraufhin angepasst. Darunter in der

00:05:41: Schweiz die italienische und die französische Version. Die sagen jetzt

00:05:46: eben nicht mehr Gott führe uns nicht in Versuchung, sondern lasst uns nicht in

00:05:50: Versuchung kommen.

00:05:54: Die Frage nach dem Verhältnis von Gott und dem Bösen, das ja dann im nächsten

00:06:00: Satz vorkommt, sondern erlöse uns von den Bösen. Also der Gegensatz Gott, der

00:06:05: einen nicht in Versuchung geraten lässt, sondern im Gegenteil herauszieht,

00:06:09: herausreißt aus den Bösen. Diese Frage ist ein riesiges Fass, das will ich jetzt

00:06:14: hier nicht zu stark auf tun, aber man muss es ja ansprechen. Also nur kurz, wir haben

00:06:19: ja diese Kombination der Versuchung mit den Bösen. Mir leuchtet ein, dass

00:06:24: Versuchung, als etwas empfunden werden kann, dem man sich als Mensch nicht

00:06:29: gewachsen sieht. Also eine Versuchung ist etwas, das enorme Kraft manchmal braucht

00:06:33: zu widerstehen oder Gott trotzdem treu zu bleiben und das stellt man, dass wie,

00:06:38: also psychologisch könnte man das so wahrnehmen, es ist wie eine stärkere Macht

00:06:42: manchmal als mein bewusster Wille. Und es leuchtet mir ein, dass das dann auch von

00:06:48: Menschen so empfunden werden könnte, als sei es wie eine zusätzliche fremde

00:06:52: Macht, eine übermenschliche Macht, die einen da anzieht oder bedrängt das Böse.

00:06:58: Also dass man das dann halt in Ermangelung anderer Erklärungen auch Gott zugeschrieben

00:07:04: hat. Ich werde hier über meinen Willen geprüft, das muss also von Gott

00:07:10: kommen. Martin Luther hat mal geschrieben, man fliehe von Gott zu Gott hin in diesem

00:07:15: Gebet. Das finde ich jetzt persönlich nicht befriedigend, mich spricht eher die

00:07:20: Aussage von Karl Barth an, dass Gott zum Bösen nur die Beziehung hat, dass er es

00:07:25: nicht will. Also eigentlich eine Negativbeziehung. Nun sind aber schwierige

00:07:30: Dinge, Probleme, Herausforderungen bis hin zu dem wirklich schlimmen, was alles auf

00:07:35: der Welt geschieht und wovon man tagt täglich auch in den Medien hört, das ist

00:07:38: ja eine Realität auf der Welt. Und manchmal ist es so, dass es den

00:07:42: Ernschein machen könnte, als stecke da tatsächlich eine böse Macht dahinter und

00:07:47: seien das nicht einfach böse Dinge, die Menschen tun. Erlöse uns von dem Bösen,

00:07:52: das könnte man tatsächlich entweder sachlich oder auch maskulin lesen, also

00:07:56: der oder das Böse. Was das unser Vater angeht, das sind sich TheologInnen

00:08:01: relativ einig, dass es eine sachliche Form der Sprache ist. Also nicht, dass

00:08:06: personifizierte Böse, wie man es vielleicht im Teufel, im Satan, verstehen

00:08:11: könnte und dass dann eben ein, in diesem Falle, maskulines Pronomen hätte. In der

00:08:16: Bibel kommt es aber immer wieder vor, dass jemand im Versuch kommt und dann auch

00:08:19: ein Ankläger, ein Versucher dargestellt wird, das ich vorhin schon

00:08:24: hier hab erwähnt und Jesus mit ihren Versuchungen, da hat es beide Male den

00:08:30: Teufel, der Ankläger den Satan. Der Satan ist hebräisch für der Ankläger.

00:08:36: Auch im neuen Testament kommen beide Begriffe vor, Satan, aber auch Teufel,

00:08:41: also Diabolos. An dieser Stelle in unser Vater wird aber Poneros verwendet, ein

00:08:46: griechischer Begriff für Böse sein. Also auch das deutet darauf hin, dass hier nicht

00:08:51: Erlöse uns von dem Bösen, also aus den Krallen des Satan, im Prinzip gemeint ist,

00:08:56: sondern dass das Böse allgemeiner zu verstehen ist.

00:09:02: Was ich schön finde an dieser Formulierung, Erlöse uns von dem Bösen, wenn man das

00:09:08: im griechischen Text anschaut, dann steht da ein Verb, das bedeutet auch zu

00:09:13: sich heranziehen. Also zieh uns zu dir heran weg von dem Bösen. Das finde ich eine

00:09:19: ganz schöne Formulierung, weil wir hier wieder bei dieser vertrauensvollen

00:09:23: menschlichen Beziehung zu gut sind, die auch in den anderen Zeilen des Vaters

00:09:27: unseres Vorkommens. Zieh uns heran zu dir vor dem Bösen. Damit schließe ich diesen

00:09:33: Exkurs zu dem Bösen ab hier in dieser Podcastfolge und komme noch mal zurück

00:09:38: zur Versuchung. Was ist die Versuchung? Diese Zeile führe uns nicht in Versuchung.

00:09:43: Das lässt bei mir auch das anklingen, was Jesus betet am Schluss seines Lebens, also

00:09:48: in diesem Olivenbaumgarten ist und betet Gott, wenn es Vater, wenn es irgendwie

00:09:53: möglich ist, dann lass nicht zu, dass sie mich verheiratet.

00:09:57: und umbringen, lass diesen Kälch an mir vorübergehen, so ein berühmtes Gebet von Jesus.

00:10:02: Und das klingt auch bei mir an. In dieser Formulierung führe uns nicht in Versuchung.

00:10:08: Man bedet, dass schwierige Dinge im Leben gar nicht erst auftreten oder auch oder aber schnell

00:10:14: vorbeigehen. Ich kenne solche Gebete sehr gut. Also ich bitte zum Beispiel häufig Gott beschütze

00:10:20: uns auf dieser langen Autofahrt oder hilft es keinen Umfallgeschied oder so, so eigentlich naive Gebete.

00:10:27: Finde ich um Schutz irgendwie, weil es naiv meine ich, weil ich ja genau weiß, dass trotzdem etwas

00:10:34: passieren kann. Aber ich kenne solche Gebete ziemlich gut und auch bei Jesus war es ja so,

00:10:39: Gott liest diesen Kälch nicht an ihm vorübergehen, sondern das wurde ja, das kam dann so,

00:10:45: dass er verhaftet und getötet wurde schlussendlich. Deshalb, man weiß, es passieren schlimme Dinge

00:10:51: im Leben. Menschen werden krank, sterben, Dinge gehen schief, in größerem oder im kleineren

00:10:57: Ausmaß. An Gott zu glauben bedeutet nicht, dass das Leben einfacher wird als ohne Gott. Also es

00:11:04: gehören Dinge zum Leben, die mir Mühe machen, mich herausfordern und manchmal wird ja auch der

00:11:11: Glaube infrage gestellt und darum geht es jetzt in dieser Zeile des Gebets, dass man nicht in

00:11:17: Versuchung kommen soll, vom Glauben abzufallen oder sich von Gott wegzuwenden. Eine Versuchung

00:11:23: sehe ich wie schon früher angesprochen, vor allem auf zwei Arten. Zum einen die Versuchung,

00:11:29: dass man eigentlich wüsste, was richtig wäre, was man eigentlich tun wollen würde, wenn man so

00:11:35: leben würde wie Gott es möchte, aber plötzlich braucht es in einer Situation mehr Willensstärke,

00:11:41: das tatsächlich zu tun, mehr Mut zu dem zu stehen, was einem wichtig ist. Und das sind vermutlich

00:11:47: die Lebenssituationen, in dem einem beim Beten dieses Gebets für uns nicht in Versuchung auch ganz

00:11:53: konkrete Situationen vor Augen stehen, wenn man das betet, dass man genau weiß, was man jetzt hier

00:11:59: darunter versteht. Also man ist eigentlich schon mittendrin in der Versuchung. An solchen Herausforderungen

00:12:05: kann man scheitern, das passiert mir persönlich natürlich auch, aber das sind auch nicht so

00:12:11: Prüfungen, wo Gott nachher kommt, ja okay, hier hast du versagt und das war es jetzt mit uns. Ich

00:12:19: lasse dich jetzt alleine. So ist es ja nicht und deswegen glaube ich auch nicht, dass primär in

00:12:25: dieser Zeile diese moralischen Versuchungen gemeint sind. Versuchung, das kann auch eine

00:12:34: Glaubenskrise sein, also die existenzielle Frage, die vermutlich hier alle auch kennt,

00:12:40: angesichts von schwierigen Welt- und Lebenssituationen, dass man sich fragt, wie kann ein Gott, der einen

00:12:46: trägt und liebt, so etwas zulassen, gibt es diesen Gott überhaupt oder sitze ich hier irgendeiner

00:12:53: religiösen Illusion auf, wo ist Gott in dieser Situation? Das finde ich zutreffend, weil ich

00:13:00: glaube in diesem Gebet wird ausgedrückt, dass genauso wie glaube ich ein Geschenk Gottes ist,

00:13:06: dass auch nur Gott einen davon bewahren kann, das Vertrauen in Gott zu verlieren. Ich habe in

00:13:12: einem Kommentar zum unser Vater gelesen, dass es hier um das Risiko des Unglaubens geht und die

00:13:18: bedende Person erflehe von Gott den Glauben nicht schutzlos dem Zweifel auszuliefern. Das

00:13:24: finde ich ganz eine treffende Formulierung, man betet zu Gott, dass Gott den eigenen Glauben

00:13:29: nicht schutzlos dem Zweifel ausliefert. Und ich glaube, das ist auch gemeint, wenn im neuen

00:13:35: Testament steht, dass Versuchungen und Prüfungen den Glauben schlussendlich stärken, weil diese

00:13:41: Stellen, in denen das steht, immer Menschen zugesprochen werden, die sich gerade in einer

00:13:46: Glaubenskrise befinden und die sich daran vielleicht festhalten können. An dem Vertrauen,

00:13:51: dass Gott es gut mit mir meint, dass in dieser Situation angekratzt wird, Versuchung als etwas,

00:13:58: was einem von Gott drinnen will. Deswegen kann man eigentlich diese Zeile, Führer uns nicht in

00:14:06: Versuchung auch so beten, lass mich nicht allein Gott, halte mich fest Gott. Das finde ich eine

00:14:13: schöne Übertragung, eine treffende Übertragung. Die Übersetzung "über lass uns nicht der

00:14:19: Versuchung" entspricht deswegen eigentlich aus meiner Sicht auch Treffender dem, was in den

00:14:24: biblischen Texten über Versuchung und Prüfung gesagt wird. Also, dass Gott manchmal das OK

00:14:29: gibt, dass der Glaube auf die Probe gestellt wird und dass man betet, dass Gott das nicht tut,

00:14:35: aber dass Gott in all diesen Prüfungen dann doch dabei ist und einen nicht alleine lässt. Glaube

00:14:42: macht das Leben nicht einfacher. Ich denke, der Punkt ist aber, dass Gott hilft oder dass der Glaube

00:14:47: an Gott hilft, dass Vertrauen Gottes und das Vertrauen in Gottes Anwesenheit hilft, Dinge zu

00:14:53: überstehen, die schwierig sind. Und ich habe mal ein Video dazu gemacht und ein Blog post. Ich spüre

00:14:59: Gott nicht. Das kannst du vielleicht, wenn du dieses Gefühl kennst, auch nochmal nachhören oder

00:15:04: nachlesen. Ich verlinke das in den Notizen. Ich glaube nicht, dass man Gott immer spürt. Es gibt

00:15:09: dieses Gedicht von den Spuren im Sand, wo man Rückblicken sieht, da wo ich mich alleine gefühlt

00:15:15: habe, waren zwei Spuren da, Gott war da und hat mich begleitet. Ich kenne aber Lebenssituationen,

00:15:22: wo ich wirklich überzeugt davon war, hier bin ich jetzt allein. Ich merke nichts von Gottes Anwesenheit.

00:15:28: Und ich glaube, dass man das dann, wie das man im Blick da arbeiten muss und nicht nur diesen

00:15:34: inneren Frieden suchen muss, denn man manchmal halt nicht verspürt, sondern dass sich Gott auch

00:15:39: zeigen kann in anderen Menschen, die einen wie Engel manchmal in einer Lebenssituation begleiten oder

00:15:45: tragen oder dass es irgendwie andere Anwesenheitsformen von Gott gibt und sei es nur das Wissen

00:15:54: darum, dass es immer einen Ort gibt, wo ich auch meine Wut und meine Zweifel deponieren kann und dass

00:16:00: Gott das aushält. Die Theologin Magdalene Fretlö hat diese Zeile des Gebets als Ort der Klage

00:16:07: bezeichnet, wo man Gott auch anklagen und trotzen kann und diese Bitte übersetzt mit einem großen

00:16:13: "Warum Gott, ich verstehe es nicht?" Das ergibt aus meiner Sicht total Sinn und führt ein bisschen

00:16:20: weg von dieser sehr moralisierenden Ansicht, dass Versuchung einfach etwas ist, was uns da in

00:16:25: einem Blick gestellt wird und was einen weglucken möchte von Gott. Dass eigentlich die eigentliche

00:16:31: Versuchung oder Glaubensprüfung darin besteht, dass man glauben soll, dass man alleine ist in

00:16:36: schwierigen Situationen, sondern dass man, dass Gott sich einem zeigt auf ganz verschiedene

00:16:42: Orte und Weise. Ich bin gespannt, was du darüber denkst. Schreib mir sehr gerne einen Kommentar zu

00:16:47: dieser Podcastfolge in deiner Podcast App oder auch auf rafflub.ch. In zwei Wochen geht es dann

00:16:53: weiter mit dem Schluss des "Unser Vaters" und jetzt nach dem Auto noch die Meditation von Jana. Bleibt

00:17:00: dran und wir hören uns bald wieder. Tschüss! Wie erlösungsbedürftig bin ich? Versuch macht Kluch.

00:17:12: Hat meine Oma immer gesagt. Versuchung macht auch Kluch. Zumindest weiß ich dann, wer oder was

00:17:22: mich versucht und was nicht. Wenn ich kenne sie, die Versuchungen schlafen neben mir im Bett. Sie

00:17:29: treten mir auf die Füße, wenn ich versuche, einen geraden Schritt zu gehen. In meinen Gedanken

00:17:35: tanzen sie um sich selbst, bis ich sie nur noch ihre Kreise ziehen sehe. Mir wird schwindelig.

00:17:42: Das Blickfeld verschwindet, mein Körper will fliehen. Erlösung ist auch nur ein anderer

00:17:48: Ausdruck für weit weg vom Leben. Wie erlösungsbedürftig bin ich? Wenn ich mich so umsehe,

00:17:56: erlöse uns von dem Geld, von Social Media, von den ganzen Herzinfarkten und Krebserkrankungen

00:18:05: und dem schlechten Gewissen, das ich habe, wenn ich mal wieder bei McDonalds gegessen habe. Erlöse

00:18:11: uns von den To-dos und den Business-Plan von Kreditrückzahlung und den Hitzewellen. Erlöse

00:18:16: uns von der Verzweiflung. Und ich frage mich, wie erlösungsbedürftig bin ich wirklich? Was erhoffe

00:18:23: ich mir dadurch von dir? Erlöse mich. Mach mich losgelöst von dem, was mich zu Boden ringt,

00:18:32: mich kettet und fesselt. Was mich an meine Grenzen bringt, nimmt von mir, mach es mir leicht zu sein.

00:18:39: Lass doch die Äpfel und die Verheißung sein. Lass doch all die Gelder und Geschenke, die verkauften

00:18:47: Daten und die verdrehten Fakten, die uns nur Zerstreuung brachten. Lass das doch sein. Möchte

00:18:56: ich Gott anstrein, aber mein Rufen und Wein erreicht nur mich. Ich klage mir vortrefflich

00:19:02: selbst ins Gesicht. Alles nur eine Frage der Ausrichtung. Und trotzdem, lass unsere Köpfe

00:19:13: wieder klaren Geistes sein. Weniger klein geistig, mehr großzügig, für mehr Verzückung

00:19:20: der berührenden Art. Das wäre fein. Weil spüren und fühlen sich nicht auf Verheißungen reimt.

00:19:29: Und sich unsere Zeit auf dem Glasboden verteilt bis aufs letzte Körnchen. Und ich bin selbst

00:19:38: schuld.

00:19:39: [Musik]

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